Mittwoch, 7. April 2010

Oh Grammatik: "Ein Drittel der UNO-Staaten anerkannte Kosovo"

Diesmal ist es ausnahmsweise nicht meine Heimat, die Werbung, sondern Onlinejournalismus, der besondere orthografische Blüten treibt. So findet sich heute in der Onlineausgabe der österreichischen Tageszeitung „Der Standard" in einem Artikel folgender Zwischentitel:

"Ein Drittel der UNO-Staaten anerkannte Kosovo"


Sorry, dass ich bei diesem brisanten politischen Thema mit Orthografie komme, aber wenn ich solche Sätze lese, kräuseln sich mir die Zehennägel. Bitte liebe Standard-Redakteure, respektiert die deutsche Rechtschreibung und Grammatik und behandelt die Verben so, wie es auch sprachlich Standard wäre:

"Ein Drittel der UNO-Staaten erkannte den Kosovo an"

Nachhilfe unter: Flexion von anerkennen, trennbare Verben

Zum Artikel hier klicken >>


Montag, 29. März 2010

Neue Online-Rechtschreibprüfung auf der Duden-Website



Eine äußerst praktische Einrichtung für alle, die korrekt schreiben wollen, ist die Online-Rechtschreibprüfung von Duden. Bisher hatte ich sie nur in der Beta-Version gekannt, aber wie ich gerade feststellen durfte, ist nun die erste vollwertige Programmvariante verfügbar. Hier der Link und ein Screenshot.

http://www.duden.de/deutsche_sprache/rechtschreibpruefung/


Freitag, 26. Februar 2010

Maschinenübersetzte Spams sind einfach unübertroffen

Folgender Text bleibe der Nachwelt hiermit erhalten. Auch ohne Kommentar erschließen sich dem Leser die unendlichen Weiten der Übersetzungs- und Rechtschreibfehlerquellen, die den Deutschschreibenwollenden beuteln. Kam heute rein, nehme an, dass auch bei der Abstimmung von gregorianischem und chinesischem Kalender etwas schiefgelaufen ist. Interessant auch, dass das Unternehmen in mehr Länder liefert, als unsere Welt beherbergt. Vielleicht also sogar ein intergalaktisches Spam?

Hallo, Herr / Frau 
Es ist eine bemerkenswerte und unvergesslichen Tag! Zur gleichen Zeit ist es auch Ihrem Warenkorb Zeit! Mit der 5-Jahres-Entwicklung hat sich unser Unternehmen inzwischen das größte internationale elektronische und digitale Handelsunternehmen. unserer Kunden in den 263 Ländern der Welt zu verbreiten. Perfekte Qualität und konkurrenzfähigen Preisen ist unsere beste überlegen. Schnelle und sichere Auslieferung sowie das Vollkommene sind After-Sales-Service die magische Waffe, um einen guten Ruf für uns zu verdienen. 
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Hoffe, Sie haben eine gute Einkaufsmöglichkeiten Zeit. 
Grüße 

Donnerstag, 18. Februar 2010

Was der Rechtschreibgott verbunden hat, soll der Lutz nicht trennen

Küchen Aktionen, Geschirr Spüler –– wir können froh sein, dass die Agentur von Lutz nicht auch noch Küchen Blöcke und Rechts Hinweise schreibt. Was allerdings zumindest konsequent wäre. So ist es einfach orthografisch vergurkt. Und angesichts der Drohung von Rechtshinweisen ist nicht gesagt, ob man statt einen Geschirrspüler nicht einfach Geschirr und Spüler zur Einbauküche dazu bekommt und weiterhin von Hand den Abwasch erledigen muss.

(Inserat 18.2.2010 auf derstandard.at)

Mittwoch, 17. Februar 2010

Wie schreibt man Telefonnummern richtig?

Aus aktuellem Anlass – eine Grafikkollegin war nicht einverstanden mit meiner Empfehlung, die Telefonnummer in einer Kundenwebsite nach DIN zu schreiben – hier ein kurzer Exkurs in die unergründlichen Weiten der Schreibnormen:

Die DIN hat bei der Schreibung von Telefonnummern einen Kompromiss zwischen vielen Varianten im Wildwuchs der Schreibweisen gewählt, der nicht in jedem Fall befriedigt. Die Gruppierung in Zweierschritten von hinten nach vorne wurde aufgegeben, das macht das Ganze nicht gerade lesefreundlicher, will man meinen.

Allerdings ist auch die Rechtschreibordnung nicht überall logisch, trotzdem ist nichts anderes hilfreich, als deren Regeln einzuhalten: Denn dank diesem unlogischen Regelwerk schreiben alle gleich und das macht das Lesen und damit die Kommunikationsgeschwindigkeit schneller und die Kommunikationsqualität besser.

Doch zurück zu den Telefonnummern: auch andere Schreibweisen lassen sich meines Erachtens nicht besser argumentieren als die DIN-Vorschrift:

Nehmen wir als Beispiel +43 (0) 5525-542 22-0, eine von zahlreichen Schreibvarianten, denen man auf Briefpapieren, in Inseraten, auf Websites etc. täglich begegnet.

Auch diese Schreibweise lässt offen, was Vorwahl ist, was Durchwahl ist, was in welchem Falle wegzulassen ist, was nicht. Verständlich wird sie im Grunde nur durch den kulturellen Kontext: Wir wissen, wann wir nur die Null und wann wir die "+43" zu wählen haben, außerdem wissen wir, dass "+" für "00" steht, zudem ist uns klar, dass nur "5525" die Ortsvorwahl sein kann und dass wir, falls wir uns im Inland befinden, dann die Null in Klammern davor zu wählen hätten. Wäre es eine Nummer aus Usbekistan und wir wollten dort ins Nachbardorf telefonieren, würden wir uns schon schwerer tun.

Die DIN hingegen gibt drei Blocks bei der Schreibung von internationalen, zwei bei nationalen Telefonnummern vor:

1.) die internationale Vorwahl, 2.) die regionale Vorwahl, 3.) die Rufnummer

Für unser Beispiel von oben bedeutet das:

+43 5525 54222-0
 05525 54222-0

Die drei bzw. zwei Blocks sind durch Leerzeichen zu trennen.
Damit wird klar, welcher Block welcher Teil der Nummer ist.
Durchwahlen werden mit Bindestrich angehängt.
Beim "+" und der internationalen Vorwahl wird davon ausgegangen, dass der Leser weiß, was er schlussendlich zu wählen hat ("0" oder "0043" oder "+43").

Zusätzliche Argumente für die Schreibung nach DIN liefern uns die neuen Technologien:

Bei der Eingabe in Datenbanken, wird die Nummer durch die DIN-Schreibweise eindeutig. Speichere ich die Nummer unter +43 (0) 5525-642 22-0 ein und suche sie später z. B. unter 05525 64 222-0, finde ich sie normalerweise nicht mehr auf Anhieb. Speichere ich die Nummer nach DIN ein, weiß ich auch, dass ich sie in DIN-Schreibweise in die Suche eingeben muss und werde sie so auch finden.

Die Nummerneingabe am Handy oder bei Skype kann schon heute ausschließlich in der DIN-Schreibweise erfolgen: ich gebe dabei einfach die komplette Nummer samt Plus und internationaler Vorwahl ein und muss mich nicht mehr um die Bedeutung irgendwelcher Klammen in der Angabe kümmern. Vielleicht wird das auch bei Festnetztelefonen einmal der Fall sein, dann sind andere Schreibweisen, die Alternativen für Anrufe aus dem Inland oder dem Ausland kommunizieren wollen, ohnehin obsolet.

Schlussendlich scheint mir die neue Schreibweise wesentlich aufgeräumter und eigentlich auch lesefreundlicher, als so mancher Bindestrich-Schrägstich-Klammer-Dschungel, dem man auf den Irrfahrten durch die Medien begegnet.




Hier noch ein Link einer Seite, die sich diesem Thema widmet:
http://www.din-5008-richtlinien.de/telefonnummern.php

Und hier der Originalwortlaut aus dem Duden:
(Quelle: Duden - Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2007)

"In Telefon- und Telefaxnummern wird nur noch ein Leerzeichen zur Gliederung von Ortsnetzkennzahl (Vorwahlnummer) und Anschlussnummer gesetzt:

06281 4391, 0177 5648023, 040 5473-102.

Abweichend hiervon finden sich noch häufig Telefon- und Telefaxnummern, die – von der letzten Ziffer ausgehend – in Zweiergruppen durch einen kleinen Zwischenraum gegliedert sind und deren Ortsnetzkennzahl in runde Klammern gesetzt ist. Diese Form gilt mittlerweile jedoch als veraltet.

Bei internationalen Telefon- oder Faxnummern wird der Landesvorwahl (ohne doppelte Null) ein + unmittelbar vorangestellt:

+49 221 943612.

In der Schweiz werden bei siebenstelligen Telefonnummern die ersten drei Ziffern zusammengefasst; hier wird die Ortsnetzkennzahl nicht besonders kenntlich gemacht:

922 71 31, 064 247939."

Dienstag, 16. Februar 2010

Großschreiben von Verben? Da lasst sich nur abtauchen und durchschwimmen!

(Inserat 16.2.2010 auf vol.at)

Dass sich in der Redaktion der Vorarlberger Online-Zeitung VOL.at noch nicht herumgesprochen hat, dass  Verben wie z. B. "gewinnen" kleingeschrieben werden, ließe sich ja noch verstehen, aber dass das nicht mal die Leute vom Säntispark St. Gallen wissen, verwundert doch ein bisschen. "Mitspielen und gewinnen!" schreibt sich so – und nur so. Einfache Probe: ließe sich vor "gewinnen" ein Artikel setzen, ohne dass der Sinn oder die Grammatik des Satzes leidet, also "Mitspielen und das Gewinnen!"? Wohl kaum. Deshalb Kleinschreibung.

Über fehlende Bindestiche bei "Vol.at-Leser" und "Migros-Restaurant" und falsche Großschreibung von Adjektiven wie "klassisch" und "römisch-irisch" (was immer bei Zeus das sein mag!) wollen wir uns erst gar nicht erst auslassen ...

Mittwoch, 10. Februar 2010

Manchmal wäre es besser, die Agentur zu wechseln

(E-Banking-Website der Sparkasse)


Wenn es Agenturen bereits beim Slogan, den sie einem Kunden aufreden, schwer fällt, grundlegende Kommaregeln zu befolgen, wie wird dann erst der Rest der Arbeit sein?

Nennformgruppen mit zu sind vom Hauptsatz abzutrennen, uns hatten sie das schon mit elf gelernt.


Und überhaupt, wenn man sich dieses und das vorangegangene Beispiel ansieht: Müssen Slogans immer ein "besser" enthalten? 



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